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Gewalt an Schulen betrifft uns alle

Die Gewalt an Schulen nimmt also wieder zu... Dies bestätigt das neuste Schulbarometer. Jede zweite Lehrkraft beobachtet demnach Gewalt an der eigenen Schule.

Ist das für dich eine Überraschung? Ich behaupte, dass alle, die diesen Beitrag lesen, davon direkt oder indirekt betroffen sind.

 

Gewalt entsteht in einem Umfeld von Zwang, Druck und Stress. Sie ist evolutionsbiologisch ein Ausdruck eines angespannten Nervensystems, das ums Überleben kämpft. In einem solchen Umfeld sind Lernen, Wachsen und Glücklichsein nicht möglich.




Erkennst du dich oder dein(e) Kind(er) hier wieder? Ich sehe...

 

...Schüler:innen, die tagtäglich in die Schule gehen müssen, in der sie weitgehend fremdbestimmt tun müssen, was andere sagen, die permanent bewertet werden müssen, die nicht ihren Interessen nachgehen dürfen und funktionieren müssen. Das Spüren und Kommunizieren ihrer Emotionen und Bedürfnisse, das Agieren in einem auf Wertschätzung und Respekt basierten sozialen Miteinander, die intrinsische Motivation und uns angeborene Lernlust werden dadurch verdrängt.

Und nach der Schule (in der eigentlich endlich freien Zeit) müssen sie dann noch Hausaufgaben machen und für Tests und Klassenarbeiten lernen. Sieht so der Traum einer glücklichen Kindheit und Jugend aus?



 ...Lehrer:innen, die tagtäglich in die Schule gehen müssen, in der sie weitgehend fremdbestimmt lehren müssen, was der Lehrplan ihnen abverlangt, die dann am Schuljahresende "abrechnen" müssen, was sie geschafft haben, die bewerten und Noten vergeben müssen, die dafür nach ihrem Unterricht stundenlang und oft bis in die Nacht zu Hause noch Arbeiten korrigieren und versuchen, tolle und motivierende Stunden für ihre Schüler:innen vorzubereiten. Lehrer:innen, denen es wichtig ist, dass die Schüler:innen intrisisch motiviert sind, dass sie sich selbst kennenlernen, ihre Emotionen und Bedürfnisse ausdrücken, dass sie Werte entwickeln und die das soziale Miteinander stärken wollen. Lehrer:innen, die sich aufreiben, weil sie ihrem Anspruch nicht gerecht werden können und doch vielleicht sogar auch eine eigene Familie und eigene Kinder haben...

Wann sollen sie das alles schaffen? Wie soll das gehen in einem System mit so vielen Zwängen? Und: Sieht so der Traum eines erfüllten Lehrerberufs aus?

 


...Eltern, die tagtäglich ihre Kinder in die Schule schicken müssen, obwohl sie es vielleicht nicht wollen. Vielleicht sehen sie, dass ihr Kind Krankheitssymptome entwickelt aufgrund des Schulstresses oder aufgrund von Schulangst. Eltern, die dann nach ihrer eigenen Arbeit mit ihren Kindern Hausaufgaben machen müssen und mit ihnen für Tests lernen müssen, die alle Konflikte, die dann auftreten und die Emotionen, die dann herausbrechen, aushalten müssen und dann möglicherweise auch externe Angebote suchen müssen, um ihrem Kind zu helfen. Sieht so der Traum eines entspannten Familienlebens und einer weitgehend harmonischen Eltern-Kind-Beziehung aus?

 


Zähle mal das Verb MÜSSEN in meinem bisherigen Text...

(Ich komme auf 14.)

 Dieses strukturelle Müssen erzeugt zwangsläufig Gewalt.

 

Was wir in der Schule äußerlich an (physischer, psychischer und verbaler) Gewalt wahrnehmen können, sind "Arschbohrer", "Spaß"prügeln, (Cyber-/)Mobbing, Beschimpfungen. Herabwürdigungen, Desrespekt, Intoleranz. Ausgrenzungen, sexuelle oder rassistische Übergriffe, Grenzverletzungen, Beleidigungen. - Das passiert...

 

Was auch passiert, ist die Gewalt, die sich nach innen richtet: unterdrückte Gefühle, jahrelang übergangene Bedürfnisse (nach Pausen, Entspannung, Anerkennung, Wertschätzung, Zugehörigkeit,...), subjektiv als schlimm erfahrende Erlebnisse oder Misserfolge, die sich in Blockaden und Traumata oder Krankheitssymptomen manifestieren. - Bei Schüler:innen und Lehrer:innen gleichermaßen.

Bevor Stoff vermittelt wird (und auch diese Formulierung finde ich mittlerweile höchst fragwürdig), muss die Schule zu einem sicheren Lebensumfeld mit festen Beziehungen, mit Wertschätzung und Freiraum für unsere lebenswichtigen Bedürfnisse werden. Es geht in erster Linie um das Erlernen von Lebenskompetenzen (WHO).

Das angespannte Nervensystem aller Beteiligten muss wieder entspannt werden. Erst dann wird Schule zu einem sicheren Ort.

 

Mit meinen Schulprojekten möchte ich genau dazu beitragen.

 

Lasst uns etwas ändern an diesem Schulsystems und kleine Samen säen für ein friedvolles und glückliches Miteinander in den Schulen!



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